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Donnerstag, 12.11.2009, 16:11

Meine zwei Hälften lebten nebeneinander.
Jede hatte ihre Zeit.
Nie trafen sie sich.
Außer vor dem Spiegel, wenn ich reinblickte.

Manchmal spürte die Eine die Andere.
Das machte sie unruhig.
Es fühlte sich verrückt an.

Doch es war alles ganz normal.

Ich stand ganz normal nachts auf, als alle schliefen.
Ich packte ganz normal meinen Rucksack.
Die Äpefel schauten so normal aus, als ich sie als Proviant mit einsteckte.
Drei Kilo schien eine normale Ration zu sein.

Ich zog mich ganz normal an.

Und dann verließ ich mein Zuhause.

Draußen war es stockfinster und kalt.
Es hatte frisch geschneit.

Ich lief den vertrauten Weg zum Schwimmbad über die Brücke.
Die Brücke, mit dem Wasser, dass mich die letzte Zeit beim Namen rief.
Es klang verführerisch und ruhig.
Doch ich wollte nicht hören.
Hielt mir die Ohren zu und rannte über die Brücke.

Langsamer bog ich auf den Weg ein.
Er wirkte anders als sonst.
Jeder Busch, jeder Baum machte mir Angst.
Wenn die Angst zu groß wurde leuchtete ich kurz mit der Taschenlampe.
Der Busch wurde wieder ein Busch und der Baum ein Baum.
Ganz normal - ein schneebedeckter Baum.

Ich wußte nicht wohin wir liefen und doch wusste ich es.
Kannte das Ziel.
Ein Ziel,das es nur in den Sagenbüchern gab.
Den großen See am Ende des Tales.

Die Kälte kroch immer mehr in meinen Körper.
Ich kroch in den Heustadel, der am Wegrand stand.
Kroch ins duftende Heu.
Schlief etwas ein.

Ein Ungeheuer weckte mich wieder.
Es stach mit der Heugabel in den Heuhaufen, machte vor der Tür Lärm mit seinem Dieselmotor.
Ich kroch in die hintere Ecke, fürchtete die Spitzen der Heugabel.
Und schwieg.
Dieser Teil sprach nicht gerne.

Endlich verschwand das Ungeheuer.
Der Jäger hatte seine Arbeit getan - die Rehe gefüttert.

Ich musste weiter.
Hatte nicht mehr viel Zeit.
Es wurde schon hell.

Der See war unerreichbar.
Die Alphütte vor mir war real.
Ich zwängte mich durch den Mauerabstand zwischen Dach und Vorraum.

Die anderen Innentüren waren unversperrt.
Es war kalt, doch wärmer als draußen.

Wir beschlossen zu bleiben.
Papa brauchte ja Zeit.
Zeit um nach zu denken.

Diese Zeit hatte ich ihm jetzt geschenkt, indem ich verschwand.

In der Hektik vergaß ich etwas.

Was denn?

Ich verschwand für alle.


Mittwoch, 11.11.2009, 16:47

Irgendwann teilte ich mich wirklich in zwei Hälften.
Es gab die eine S., die immer lustig war und verrückte Ideen hatte und es gab die andere S., die nie jemand anderer zu Gesicht bekam.

Nur ich sah sie.
Im Spiegel.
Sie fragte sich manchmal ob sie wohl verrückt würde.
Sie dachte nicht nur mehr nachts nach, sondern die ganze Zeit.

Sie konnte es nicht mehr ertragen, dass Menschen anders auf sie reagierten.
Sie konnte nicht mehr leise sein und wollte schreien:
"Ich bin ein Mensch - unter meiner dunklen Haut und den dunklen Haaren - da ist ein Mensch so wie du einer bist - unter deiner weißen Haut und den blonden Haaren."

Doch sie schrie nicht.
Nein das andere Sie ließ das nicht zu.

Sie ging Schuhe kaufen und flüchtete als der Verkäufer sie plötzlich ansprach: "Du schauen, du riechen - gutes Leder - gutes Leder!"

Sie ging tanzen und flüchtete, wenn sie ältere Herren mit schwülen Unterton plötzlich ansprachen: "so eine Rassige,..."

Sie ging mit ihrer Mutter einkaufen und schämte sich, wenn die Menschen sie durch die Gegenwart ihrer Mutter noch mehr anders behandelten.

Zu Hause schämte sie sich, dass sie sich für ihre Mutter geschämt hatte.

Sie schämte sich, weil sich die Anderen nicht schämten.

Sie schämte sich für den Schuhverkäufer, der nicht glauben konnte das sie deutsch kann und sie nicht mal zu Wort kommen ließ.
Sie schämte sich für die älteren Männer, die die Klischees über südländische Frauen für bare Münze nahmen.
Sie schämte sich für die Menschen, die ihre Mutter anders behandelten als die anderen Kunden.

Irgendwann schämte sie sich, dass es so was sie gab.
So was Halbes.
So was, was man nicht zuordnen konnte.
Gehörst du zu uns oder zu denen - diese Frage konnte sie einfach nicht beantworten.

Irgendwann kam sie zu dem Entschluß, das die Anderen recht hatten. So was wie sie durfte es nicht geben.

Sie wußte nicht, dass sie diesen Entschluß gefasst hatte.

Doch ein Teil von ihr wusste es bereits und dieser Teil fürchtete nur eines mehr: verrückt zu werden.

ver - rückt
Die Menschen um sie herum ver- rückten sie ständig.
Versuchten sie in ihrem Bild zurecht zu ver- rücken.
Wo findet man Platz, wenn man nicht mehr ver- rückt werden will?


Donnerstag, 27.08.2009, 12:58

Glücklich war ich, wenn ich in der Schule war.
Mein Lehrer hatte noch nie eine seltsame Frage an mich gestellt.

Er sah mich.
So wie ich war, im Ganzen.
Und nicht nur als Halbes.

Er fragte mich ob ich mich um Ch. kümmern könnte.

Ch. war auch anders.

Aber anders anders als ich.
Sie war manchmal etwas langsam.
Brauchte mehr Zeit zum Nachdenken.

Die anderen Kinder lachten dann oft.
Sie wollten auch nicht in der Pause mit ihr spielen.

Ch. roch auch seltsam.
Man roch die Kühe, die sie zu Hause hatten.

Ch. saß oft alleine.
Ich hörte ihren Bauch reden und wußte, daß sie weinte.
Dieses besondere Weinen ohne Tränen.

Dann wurde die Luft um mich herum wieder schwer.

Mit mir spielten die Kinder gerne.
Vor allem die Jungs.

O. und P. stritten sogar, wer neben mir in der Reihe stehen durfte.

Ich mochte beide gerne.
O. hatte zu Hause ein Schwimmbad.
Er lud mich oft ein und manchmal durfte ich auch gehen.

P. mochte das gar nicht.
Er beschwerte sich bei seiner Mama.
Das das unfair sei, weil er da ja nicht mithalten könne.

Ich verstand das nicht ganz.
Ich wußte, ich mag beide.
Wieso ging es im Leben immer um: entweder oder
Wieso durfte es kein: sowohl als auch geben.

Ich wollte sowieso keinen von ihnen heiraten.

P. hatte mich schon gefragt.

Ich sagte: „Ich kann nur einen Mann mit Bauernhof heiraten. Der viele Tiere hat.“

Ich wußte, daß P. zu Hause keinen Bauerhof hat.
Und seine Mama kleine Tiere nicht ausstehen konnte.
Er durfte nicht mal ein Meerschweinchen haben.

Er fand das wieder unfair.
Beschwerte sich bei seiner Mama.

Dann löste er die Verlobung.
Er könne einfach kein Bauer werden, auch nicht für mich.

Für mich war das OK.
Ich würde nie heiraten.

Wenn man nicht heiratet, muß man sich nicht scheiden lassen.
Dann muß man vorher auch nicht soviel streiten.
Und die Kinder müssen nicht soviel nachdenken.

Ich musste schon wieder nachts sehr viel nachdenken.
Wie ich das mit Ch. schaffe.
Es war wichtig.

Das sagte mein Bauch.

Ich fing an Ch. zu Hause zu besuchen.
Mama erlaubte daß, weil ich ihr sagte, daß wir lernen.
Mama fand lernen immer gut.

Das zu Hause von Ch. war seltsam.
Es roch seltsam.
Die Luft war schwer.
Der Papa von Ch. schaute mich immer komisch an.
Doch er sagte nichts.


Wir lernten auch.
Hier hatten wir soviel Zeit wie Ch. zum Nachdenken brauchte.
Und niemand lachte.

Doch meistens hatten wir einfach nur Spaß.
Ich erzählte Ch. die Geschichten aus meinen Büchern.
Manchmal erzählte ich sie auch ein bißchen anders.

In der Schule war Ch. jetzt immer in meiner Nähe.
Die anderen Kinder wollten das zuerst nicht.

Doch ich ignorierte das.
Ließ Ch. statt O. und P. mit mir in der Reihe stehen.

Und plötzlich fragten auch andere Kinder ob Ch. zu ihnen komme.
Ob sie mit ihnen in der Reihe stehen wollte.

Ch. war immer noch manchmal etwas langsam.
Sie brauchte immer noch etwas mehr Zeit zum Nachdenken.
Sie roch auch immer noch etwas seltsam.

Doch sie saß nicht mehr alleine.
Die Kinder lachten nicht mehr.

Die Luft um uns herum wurde wieder leicht.

So wie Luft sein soll.

Mein Lehrer strich mir dann mal kurz über meine Haare.
Doch seine Hand wollte nicht wissen ob sie echt waren.

Seine Hand sagte:
„Das hast du gut gemacht!“

Ich freute mich.
Ich freute mich immer, wenn ich in der Schule war.

Hier war ich „Ich“.


Mittwoch, 26.08.2009, 16:47

Und Geld schien wichtig zu sein.

Jedenfalls stritten Mama und Papa oft darüber.

Ich brauchte kein Geld.
Ich hatte meine Ideen.
Mit denen konnte ich sogar Geld verdienen.

Oder so ähnlich.

M. mußte immer auf mich aufpassen.
Daher durfte ich überallhin mit wo Jungs hingehen.
Ich fand das super.
Er fand das total doof.

Aber sein bester Freund hatte auch immer seine kleine Schwester im Schlepptau.
Und dessen bester Freund auch.
Und so gewöhnte er sich daran.

Manchmal spielten wir Räuber und Gendarm.
Wobei wir die Gendarmen wegließen.
Wir überfielen die Touristen, die durch unser Räubergebiet wanderten.

Wir versteckten uns alle. Und dann stürmten die Jungs aus dem Dickicht und schrien:
„Überfall, Geld her oder Leben!“

Die Touristen schimpften anfangs immer.
Doch wenn wir Mädchen dann auch noch rausrannten und piepsten:
„Überfall, Geld her oder Leben!“
Dann fanden sie es lustig.
Und schenkten uns ein paar Schillinge.
Ich musste mir dann immer anhören.

„So ein hübsches Mädchen, und so schwarze Augen!“

Ganz schlimm war, wenn sie mich auch noch angreifen mußten.

Viele Menschen mußten uns immer angreifen und durch die Haare fahren.
Vielleicht wollten sie wissen ob sie echt waren.

Ich mochte das gar nicht.
Meine Zöpfe kamen dadurch immer durcheinander.
Und meine Locken wollten sowieso nicht so gerne in den Zöpfen bleiben.
Darum ziepte es immer, wenn Mama mich morgens kämmte.

Bei den Kleinen flippten sie sogar richtig aus:

„So süüüüß! Und so schöne schwarze Augen!! Schau doch, Klaus-Dieter!!

Hatten diese Menschen noch nie kleine Kinder gesehen?


Oft hatte ich dann kein Lust mehr auf dieses Spiel.
Aber die Jungs fanden es super und wollten uns plötzlich immer dabei haben.
Obwohl sie es doch eigentlich doof fanden, daß sie auf uns Mädchen aufpassen mußten.
Manchmal kauften sie für uns auch eine Bazooka von dem Geld.

Ich wollte sowieso lieber ein Junge sein.

Jungs durften Nägel reinhauen
Jungs durften Holz hacken.
Jungs durften Rennrad fahren.
Jungs fuhr man nicht durch die Haare.

Holz hacken durfte ich dann auch.
Ich jammerte Ine solange an, bis er es erlaubte.

Auch Nägel reinhauen, durfte ich schlußendlich.
Ich haute mit soviel Begeisterung auf die Nägel ein, daß Ine meinte:

„Schlag dir bloß nicht auf die Finger mit dem Hammer!“

Ich strahlte ihn an und sagte:

„Ich darf das.“
Und haute mir auf den Finger!

Es tat schon weh.
Aber das wollte ich Ine nicht sagen.
Sonst hätte ich kein Junge mehr sein dürfen.

Mama mochte mich als Junge nicht so gerne.

Vor allem, wenn ihre Eltern auf Besuch waren.
Das waren sie nur ganz selten.

Aber dann war alles ganz anders.

Mama war dann ganz anders.
Ganz streng.
Fast so streng wie Papa.

Beim Essen mußten wir ganz gerade sitzen.
Die Hände mußten beide auf dem Tisch liegen.
Wir mußten sitzen bleiben, bis alle fertig waren.

Wir durften nicht mehr reden.
Nur wenn die Erwachsenen uns was fragten.

Mama redete dafür die ganze Zeit.
Aber immer mit ihren eigenen Wörtern.
Ich verstand nicht mehr alle Wörter.
Ich fing an sie zu vergessen.
So wie Papa.

Jetzt fand ich das auch doof.
So wie Oma.

Wobei ich nicht glaubte, daß Mama schlimme Sachen über uns sagte.
Ich vertraute Mama.

Aber sie redete über uns, daß merkte ich.
Weil sie immer wieder zu uns hersahen und dann lachten.
Hatte Mama gerade meine „ich darf mir auf den Daumen hauen- Geschichte“ erzählt?

Manchmal sahen sie auch zu uns rüber und wurden sehr ernst.
Hatte Mama gerade erzählt, daß ich nur eine zwei in Rechnen hatte?

Ich war immer froh, wenn sie wieder abreisten.
Dann war Mama wieder normal.
So wie vorher.

Aber das durfte ich nicht sagen.

Weil Mama war nicht froh, wenn sie wieder abreisten.
Sie war dann noch sehr lange traurig.
Dann wünschte ich mir wieder, daß sie länger dageblieben wären.

Obwohl ich es mir nicht wünschte.
Wünschte ich es mir doch.


Ich war glücklich, wenn der Besuch wieder ging.
Mama war nicht glücklich.
Mama war glücklich, wenn der Besuch wieder kam.
Ich war dann nicht glücklich, weil ich wußte, dasss Mama wieder anders wurde.

Oma freute sich auch, wenn der Besuch wieder ging.

Ich wollte mich nicht mit Oma freuen, weil es hieß, daß Mama sich nicht mehr freute.

Es war wieder einmal sehr kompliziert.

Was denn?

Das mit dem glücklich sein und freuen dürfen.


Montag, 24.08.2009, 12:02

Ich wußte immer wann Mama Heimweh hatte.
Dann wurde zu Hause plötzlich die Luft schwer.
Sie drückte auf mein Herz und meinen Bauch.

Und ich hörte Mamas Bauch reden.
Mama hatte dann auch traurige Augen.
Zum Rumliegen hatte sie keine Zeit.
Sie arbeitete.
Und wenn sie ganz viel gearbeitet hatte, auch nachts und am Wochenende.
Dann flog sie nach Hause.

Wir blieben zu Hause mit Papa.
Und obwohl Mama nach Hause ging war sie nicht bei uns zu Hause.

Manchmal war es schwierig.

Was war schwierig?

Zu verstehen, wieso die Menschen so dringend wissen mußten wo wir zu Hause waren.

Vielleicht hatten sie ja selbst kein zu Hause?
Vielleicht war ihnen die Frage darum so wichtig.
Vielleicht dachten sie wir wüßten ihre Antwort.

Vielleicht wußten sie nicht, dass zu Hause gar kein Ort ist.
Das man aber manchmal an bestimmte Orte zurück gehen muß.

Damit man es wieder weiß.

Was denn?

Das zu Hause kein Ort ist.

Zu Hause war wo Mama war, wo Papa war, wo M. war und die Kleinen.
Und Ine und …..
Es gab so viele zu Hause.
Wieso glaubten sie nur, dass das nur ein Ort sein kann?

Viele Leute meinten Mamas zu Hause sei auch mein zu Hause.
Jedenfalls fragten sie dauernd: „Wann fliegt ihr wieder nach Hause?“

Das Mamas zu Hause nicht mein zu Hause war und unser zu Hause nicht Mamas zu Hause war und wir doch alle ein zu Hause haben, daß haben sie nicht verstanden.

Oma verstand das ja auch nicht.
Sie meinte zu Mama:

„ Du mußt nicht mehr nach Hause fahren. Dein zu Hause ist jetzt in Österreich!“

Mama wurde dann sehr, sehr zornig.

Papa fragten sie nie nach seinem zu Hause. Ihn fragten sie:

„Willst du wieder mal ins Ausland gehen?“

Wenn dann auch noch mich jemand fragte:
„Wo fühlst du dich mehr zu Hause?“

Dann wurde es erst richtig kompliziert.

Jede Antwort war falsch. Das sagte mein Bauch, der auch die andere Sprache konnte.
Ich glaube sie wollten auch ganz etwas Anderes wissen.

In Wirklichkeit wollten sie fragen:

„Gehörst Du zu denen oder gehörst du zu uns!
Wenn du zu denen gehörst, gehörst du nicht zu uns!
Und wenn du zu uns gehörst, dann gehörst du nicht zu denen!“

Wie gesagt, es war kompliziert.
Und wieso diese Menschen, daß so dringend wissen mußten wußte ich nicht.

Ich stellte mir diese Fragen nie.
Ich hatte sonst genug Fragen zu klären und die Rücken an die Wand Nächte reichten jetzt manchmal gar nicht mehr dafür.

Aber wenn man dauernd solche Fragen beantworten muß, dann kommt man selbst etwas durcheinander.
Ich wußte nicht wieso diese Menschen wollten, daß ich mich durcheinander fühlte.

M. wußte es auch nicht, obwohl er schon so klug war.

Aber wir wußten alle, Heimweh tut weh.
Darum war es OK, wenn Mama ging.

Solange sie wieder heim kam. Dahin wo wir da heim waren.

Wenn sie vorher nicht mit Papa stritt kam sie wieder heim.
Wenn ich genug Küsse und Umarmungen gezählt hatte wußte ich ob der Streit ein „Ich komme nie wieder Streit war“ oder ein „wir versöhnen uns bald wieder Streit“.

Wenn das Flugzeug nicht abstürzte kam sie wieder heim.
Gut, daß Mama schon mal abgestürzt war.

Mama war schon mal mit dem Flugzeug abgestürzt.
Da war sie so klein wie ich.
Sie flog mit ihrer Mama zu Verwandten.
Mamas Land ist so groß, daß man manchmal fliegen muß um Verwandte zu besuchen.

Mamas Mama hatte einen solchen Schock, daß sie Mama im Flugzeug vergessen hat.
Sie ist einfach rausgelaufen, so wie all die anderen Menschen.
Mamas Beine waren gebrochen.
Sie konnte nicht einfach rauslaufen.
Und das Flugzeug brannte, alles war voller Rauch.
Vielleicht hat Oma sie darum nicht mehr gesehen und sie einfach vergessen.
Ein fremder Mann hat Mama dann rausgetragen.

Mama war dann sehr lange im Krankenhaus.
Jetzt hat sie Angst sich noch mal die Beine zu brechen.
Darum will sie nicht mit uns soviel rumhüpfen.
Und auch nicht mit uns in die Berge gehen.

M. sagte: „Die Wahrscheinlichkeit mit einem Flugzeug zweimal abzustürzen ist sehr gering!“
M. ist sehr schlau. Er las ja sehr viel und lernte und lernte und lernte.
Manchmal fand ich das doof. Weil er dann nicht mit uns spielen wollte.

Wenn wir Kinder hier blieben kam sie wieder heim.
Das war wichtig.
Mamas dürfen ihre ganz kleinen Kinder nicht so lange alleine lassen.
Das sagte Papas Schwester.
Sie schimpfte, daß Mama eine schlechte Mama war, weil sie ohne uns Kinder flog.
Gut, daß R. noch so klein war.
So wußte ich, daß Mama wieder kam.
Nur er wurde ja auch größer.
Er konnte schon fast laufen.
Obwohl ich versuchte ihm zu erklären, daß er besser länger krabbeln sollte.
Er wollte das nicht hören.
Wir brauchten also dringend ein neues Baby.

Ich mußte M. fragen, woher wir ein neues Baby bekommen würden.
M. war schlau.
Er las viel und lernte und lernte und lernte.

In dieser Zeit sprach ich wieder mit der Lampe.
Nicht der Lügenlampe.
Sondern der Straßenlampe an der Ecke, wo das Auto mit Mama zum letzen Mal zu sehen war.
Sie wußte, wann Mama wieder vorbeifuhr.

Jeden Abend mußte ich mit ihr sprechen.
M. fand das doof.

Doch die Kleinen wollten immer wissen, was die Lampe meinte.
Manchmal blinzelte die Lampe nicht zurück. Manchmal wollte sie einfach nicht mit mir reden. Dann log ich.

Ich wollte nicht, daß sie sich Sorgen machten.
Sie konnten sonst nicht einschlafen.

Manchmal, obwohl Mama sehr viel arbeitete, konnte sie trotzdem nicht nach Hause fliegen.
Wir brauchten neue Schulsachen oder Kleider.
Das bezahlte Mama von ihrem Geld.

Was Papa bezahlte wußte ich nicht.
Aber Mamas Flüge bezahlte er sicher nicht.
Das hatte er schon oft sehr laut gesagt.
Er bezahlte auch nicht für den kranken Großonkel, der Medikamente brauchte.

Mama schickte dann immer Geld.
Die Ärzte arbeiten nur, wenn man zuerst bezahlt.

Er bezahlte auch nicht, wenn sonst jemand Geld brauchte.

Mama schickte dann immer Geld.
Die Europäer sind ja alle reich und gebildet.
Nun war sie Europäerin.

Reich war sie nicht.

Ihre Bildung hatte sie noch, doch die mitgebrachte Bildung zählte hier nicht.
Sie war ja schon lange vor Papa Lehrerin.
Doch ihre Zeugnisse konnten sie hier nicht lesen.
Und wenn man sie übersetzte, konnten sie sie zwar lesen, aber Mama durfte trotzdem nicht unterrichten.

Das war alles sehr kompliziert.
Auch M. konnte das nicht erklären. Obwohl er so viele Bücher las.

Aber sie schickte Geld.
Uns fehlte das Geld dann manchmal.


Samstag, 22.08.2009, 15:30

Doch in den großen Ferien erholten wir uns alle zusammen.
Dafür fuhren wir in ein anderes Land.
Hier verwendeten alle dieselben Wörter wie Mama.
Sogar Papa konnte sich wieder an diese Wörter erinnern.

Die Fahrt dauerte zwar sehr lange.
Doch es gab ein Meer.

Und ich konnte mich auch erholen.
Hier mußte ich nicht mehr die Küsse und Umarmungen von Mama und Papa zählen.

Die Menschen hier waren nett.
Sie glaubten, daß wir Kinder ihre Wörter kannten.
Sie glaubten wir gehörten dazu.
Ich ließ Ihnen ihren Glauben, versuchte sie nicht zu enttäuschen.

Redete möglichst wenig.

Mit den anderen Kindern konnte man hier reden wie man wollte.
Keiner von uns verwendete dieselben Wörter.
Keiner verstand den Anderen.
Mama meinte, daß kommt daher, weil die anderen Kinder aus Frankreich, Italien, Holland oder Deutschland kamen.
Doch es war einfach egal. Wir spielten einfach.

Hier war es auch egal, wenn man sehr braune Haut hatte.
Alle fanden sehr braune Haut toll.
Viele Erwachsene verbrachten Stunden regungslos in der Sonne um sehr braun zu werden.

Ich fragte mich ob sie wußten, was für Fragen sie zu Hause zu erwarten hätten.
Ich wußte aus Erfahrung zu Hause veranlasste sehr braune Haut manche Menschen zu seltsamen Feststellungen:

„Du kuscht o nit vo do.“
„Du bist sichar vo Brasilien“
„Wieso redest du nicht türkisch? Schämst Du dich dafür?“
„Du sprichst aber sehr gut deutsch!“
„Du hast aber schöne schwarze Haare. Darf ich die mal anfassen?“


Was sollte ich da sagen.

Aber es war egal.
Die Menschen erwarteten gar keine Antwort.
Sie wußten ja schon die Antwort.
Ihre Antwort.
Die ihnen in ihr Bild paßte.

Sie redeten auch nicht mit mir.
Sie konnten mich gar nicht sehen.
Oder nur den Teil, denn sie sehen wollten.

Aber es war egal.
Hier in diesem Land war das alles egal.

Es war auch egal, wenn wir erst um 11 Uhr ins Bett gingen.

Es war egal, daß manche Menschen zu Hause glaubten, weiß sein ist normal.
Und nicht weiß sein ist unnormal.

Es war jeden Sommer egal, für zwei Monate lang.
Oder auch nur 1,5 Monate.
Manchmal mußten wir früher heim.
Papa ließ uns Kinder entscheiden.
Wir bekamen immer irgendwann Heimweh.

Heimweh ist komisch.
Der Bauch redet wieder mit einem. Und das Herz fängt auch noch an.
Das Essen schmeckt nicht mehr so gut.
Das Spielen macht nicht mehr so viel Spaß.
Sogar unser Hund bekam Heimweh.
Er lag nur mehr rum und hatte traurige Augen.
Wenn wir alle nur mehr rum lagen und traurige Augen hatten, meinte Papa:

„Gehen wir nach Hause!“

Manchmal hatte Mama auch Heimweh.
Doch wenn wir zu Hause waren hörte ihr Heimweh seltsamerweise nicht auf.


Freitag, 21.08.2009, 12:20

Ich freute mich, seit ich auch in die Schule gehen durfte.
Nun wußte ich das Umblättern war wichtig. Doch noch wichtiger war, daß die Buchstaben mit einem redeten.

Und das taten sie, die Buchstaben.
Sie erzählten tolle Geschichten.
Sie erzählten manchmal so laut, daß ich Mama nicht hörte, wenn sie mich rief.
Sie erzählten manchmal so lange, daß ich ihnen nachts mit der Taschenlampe zuhören mußte.
Sie erzählten manchmal so viel, daß ich vergaß über alles Andere nachzudenken.

Ich vergaß darüber nachzudenken wieso mich die Menschen im Dorf seltsame Dinge fragten:

„Esst ihr zu Hause mit den Fingern?“
„Deine Mama ist doch die Ausländerin?“
„Wann geht ihr wieder nach Hause?“

Ich vergaß darüber nachzudenken, wieso sie immer nur mich solche Dinge fragten.

Wieso fragten sie nicht auch K?
Ihre Mama kam ja aus Deutschland.
Wieso fragten sie nicht auch M?
Seine Mama kam ja aus Belgien.

Wieso begrüßte uns die Bäuerin, bei der wir Milch holten immer mit diesen Worten:

„Ah, da kommen Sie wieder, die schwarzen Vögel“

Wieso klang ihre Stimme dabei so seltsam?

Mein Bauch verstand diese Sprache.
Aber er konnte sie mir nicht erklären.

Er fühlte sich nur komisch an, so daß ich meine kleine Schwester fester an die Hand nahm.
Meinen Rücken durchstreckte und ganz schnell die Milchkanne hinstellte.
Dann mußten wir warten.
Solange mußte ich meine Rücken durchstrecken.
Manchmal tat es weh.

Was denn?

Der Rücken.


Manchmal ging Ine mit uns Milch holen.
Die Bäuerin begrüßte uns dann nicht so.
Also konnte ich Ine auch nicht zeigen, daß sie eine andere Sprache konnte.

Mama konnte ich es auch nicht erzählen.
Ich hatte es einmal versucht.
Sie musste wieder weinen.

Ich wollte nicht, daß Mama weint. So ohne Tränen.
Dann redete wieder mein Bauch mit mir.
Er verstand diese Sprachen.

Papa wußte gar nicht, daß es diese Sprachen gibt.
Papa wußte vieles nicht.
Oder er hatte es vergessen.

Also habe ich nichts mehr erzählt.
Nichts davon.

Ich fing an andere Geschichten zu erzählen.
Und die Kinder im Dorf mochten meine Geschichten.
In meinen Geschichten waren wir Forscher, war ich die Räuberhauptfrau.
Wir retteten den Frosch vor den großen Nachbarjungs.
Ich gründete die „schwarze Sieben“ und wir bauten einen Geheimtreff.
Ich eröffnete ein Restaurant auf Ine´s Terasse.

Die Kinder kamen gerne zu uns. Sie mochten meine Ideen.
Mama mochte das.
Ine auch.

Nur Papa nicht.
Papa vertrug keine fremden Kinder.
Vielleicht hatte er den ganzen Tag so viele Kinder, daß er zu Hause keine Kinder mehr sehen wollte.
Vielleicht schrien die Kinder in seiner Schule so viel, daß er abends auch kein Flüstern mehr aushalten konnte.

Darum mussten alle meine Freunde gehen, wenn Papa nach Hause kam.
Ganz schnell.

Mama hatte viel gearbeitet, damit Papa viel lernen konnte.
Nun war er Lehrer.
Das war ein anstrengender Beruf.
So anstrengend, daß Papa das ganze Wochenende brauchte um sich zu erholen.
Am besten erholen konnte er sich in den Bergen.
Alleine.

Manchmal war er auch anders alleine.

Wir erholten uns auch.
Alleine mit Mama zu Hause.


Freitag, 21.08.2009, 10:20

M. nahm den Auftrag von Mama sehr ernst.
Er lernte und lernte und lernte.
Dauernd saß er vor Büchern. Ich wollte wissen wieso.
Wieso saß er lieber vor diesen Büchern, statt mit uns zu spielen?

Ich wußte damals noch nicht, daß er durch Mamas Auftrag so schnell erwachsen wurde.

Dann wusste ich es plötzlich:
In diesen Büchern stand ganz sicher eine Lösung für uns.
Darum war das M. auch so wichtig.

Also saß ich vor ein Buch und tat dasselbe wie M. Ich schaute in das Buch und nach einiger Zeit blätterte ich um. Immer dann, wenn M. auch umblätterte.
Ich wußte, das Umblättern war wichtig.

Mama freute sich darüber.
Und ich freute mich, wenn Sie sich freute.
Sie freute sich nicht so oft.

Außer wenn Ine (Großvater) morgens zu uns runter kam.
Ine frühstückte zuerst mit Oma und danach nochmals mit Mama und uns.
Oma mochte das nicht.
Ich schon.

Ine hatte zwei Kriege erlebt und manchmal zeigte er uns das Geld, das wieder Papier wurde. Es sah seltsam aus.
Wenn er seinen Kaffee trank, dann gab er 4 Löffel Zucker rein, ohne umzurühren.
Am Schluß löffelte er langsam den Zuckersatz aus. Dann schleckte er den Löffel ab.
Ich durfte das nicht.
Ine schon.

Er mochte unsere langen schwarzen Haare. Er mochte es aber nicht, wenn Mama mit uns schimpfte, wenn wir jammerten. Weil die Bürste etwas ziepte.
Dann schaute er Mama böse an.
Aber sonst nie.

Ine mochte Mama.
Ich glaube darum mochte Oma Mama nicht.
Vielleicht wollte sie auch einfach keine Schwiegertochter haben, die von weit her kam.
Vielleicht wollte sie auch keine Enkel, die anders aussahen.

Vielleicht wollte ich auch keine solche Oma.

Vielleicht war auch Papa einfach sehr vergeßlich.
Er hatte mal Malaria.
Er starb fast.
Vielleicht macht das vergeßlich.

Er ging nach der Matura ins Ausland.
Dann lernte er Mama kennen.
Sie musste ihm Nachhilfe in Spanisch geben.
Mama mochte diesen Gringo nicht.
Sie unterrichtete schon lange an dieser Schule und jetzt meinten diese Österreicher sie wissen alles besser.
Doch alle ihre Freundinnen standen auf die Österreicher. Schließlich waren diese Euopäer.

Europäer sind reich und gebildet.

Mamas Familie war das auch.
Sie hatten Hauspersonal und viel Grundbesitz.
Eine Zeit lang hatte abuelo (Großvater) sogar ein Flugzeug.
Abuelo war mal Bürgermeister,mal Händler,mal Dichter, mal Großgrundbesitzer.

Abuelo war auch ein Spieler. So verlor die Familie immer wieder viel Geld.
Doch er gewann auch. So hatte die Familie immer wieder viel Geld.

Aber vor allem war er stolz.
Stolz auf die Abstammung von den spanischen conquistadores.
Stolz darauf, dass er sagt, was seine Familie tun darf und was nicht.
Er wollte, dass Mama den Gringo heiratet.
Mama wollte nicht.
Jedenfalls nicht so schnell.
Mama wollte noch studieren.

Papa schaffte es trotzdem Mama zu heiraten.

M. kam zur Welt.
Papa wollte wieder nach Hause.
Zu Mama sagte er: „ Wir machen Urlaub in Europa!“

Mama freute sich.
Sie wußte nicht, daß der Urlaub so lange dauern würde.

Papa vergaß ein Rückreiseticket zu kaufen.
Er vergaß ihr zu sagen, daß er nicht Urlaub machen will sondern heim kehrt.
Er vergaß seiner Freundin zu Hause zu sagen, daß er geheiratet hatte.
Er vergaß Mama zu sagen, daß in Österreich Winter war. Es daher sehr kalt war und die Schneemauern 3 m hoch waren.

Mama freute sich.
Sie packte ihre schönsten Kleider und Sandalen ein.
Verabschiedete sich von ihrer Familie, so wie man sich verabschiedet, wenn man in Urlaub fährt.

Papa vergaß ihr zu erzählen, daß er noch keine Ausbildung hatte, dass er keine eigene Wohnung hatte.


Mama freute sich.

Auf Europa.
Auf ihre neue Familie.
Auf die lange Schiffsreise.

Im B. angekommen stellte Mama fest wie kalt Schnee war.
Sie stellte fest, daß man in Österreich Winter- und Sommerkleider braucht.
Sie stellte fest, dass hier niemand Sandalen trug.
Sie stellte fest, daß sie zu dritt in einem winzigen Zimmer wohnen würde.

Sie stellte fest, daß sie nicht willkommen war.

Durch einen einzigen Satz.

Papa´s ältere Schwester gab ihr die Hand zur Begrüßung, sah ihre roten Fingernägel und meinte:

„Bei uns laufen nur Huren so rum!“


Sie freute sich sehr lange nicht mehr.

Wer denn?

Mama.